© Volkswagen AG

75 Jahre VW Käfer
Eine kurze Geschichte des VW Käfer
21.07.2010
Kann der arme kleine Käfer etwas dafür? "Nein!", so möchte man ihm Zurufen, schäme dich nicht, instrumentalisiert worden bist du von nicht nur den Schergen des Adolf Hitler, schließlich war es ja die Idee des Diktators selbst, einen Wagen bauen zu lassen, einen wahren "Volkswagen", der für jedermann in seinem dann gottlob doch nicht ganz tausendjährigen Reich erschwinglich sein sollte.Knapp eintausend Reichsmark, so der Plan des schnauzbärtigen millionenfachen Mörders, dessen Eltern immerhin Onkel und Nichte zweiten Grades waren, eintausend Reichsmark also dürfe das Gefährt kosten, mehr nicht, auf dass die Nachfrage die Angebotsseite fortlaufend zu mehr Produktion und zu mehr Arbeitsplätzen treibe mit dem Ziel der Vollbeschäftigung. Ein kleiner Plan in einem großen Über-Plan, dessen Vollendung auf den selten dämlichen Namen "Endsieg" hörte.
Der Krieg geht, der Käfer kommt
Anfang Juli 1935 hatte Ferdinand Porsche den Prototyp des ersten "Volkswagen" endlich zusammengeschraubt und, mit einem Motor ausgestattet, dem Diktator vorgestellt. Dann geriet der Produktionsplan jedoch ins Stocken, das VW-Werk in Fallersleben (ein heutiger Ortsteil des später von den Briten so genannten Wolfsburg) konnte nicht rechtzeitig errichtet werden. Soll heißen: nicht rechtzeitig vor dem von Hitler bekanntermaßen selbst vom Zaun gebrochenen Weltkrieg, der später schlussendlich doch noch dazu führte, dass der Käfer das meistverkaufte Automobil aller Zeiten werden konnte. Jedenfalls bis es vom Golf, dem Nachfolger aus dem eigenen Haus, vom ersten Rang verdrängt wurde. Als Generalfeldmarschall Keitel am späten Abend des 8. Mai 1945 die ratifizierende Kapitulationsurkunde unterschrieben hatte und der Krieg damit zu Ende war - jedenfalls in Europa, denn Japan, ein Verbündeter des Deutschen Reichs, kapitulierte erst Anfang September -, war der wahnsinnige Diktator schon eine starke Woche hinüber und verbrannt, erlebte somit zurecht nicht mehr mit, wie der Siegeszug des Käfer begann.
Zum Verständnis: Die Nazis hatten das Gefährt "KdF-Wagen" genannt, wobei KdF für "Kraft durch Freude" stand, eine politische Organisation, die die Freizeitgestaltung der Deutschen und deren Gleichschaltung zur Aufgabe hatte. Den Namen Käfer verdankt das kleine Auto der New York Times, die schon 1938 geschrieben hatte, dass nach dem Anrollen der Produktion alsbald "Tausende und Abertausende von glänzenden kleinen Käfern (...) bald die deutschen Autobahnen bevölkern werden", wie mehreren Quellen zu entnehmen ist.
Symbol des Wirtschaftswunders
Ab Sommer 1945 wurden bis zum Jahresende etwa 1.800 Käfer produziert, die zunächst allesamt öffentlichen Zwecken dienten, als Postfahrzeuge wie als Beförderungsmittel für die Alliierten. Schon 1946 durfte, wer wollte (und vor allem konnte) und einen Bezugsschein besaß, jeder Deutsche einen VW Käfer auch privat erwerben. Ein Schnäppchen im Sinne des vormals so bezeichneten "Führers" H. war der Volkswagen jedoch nicht: 5.000 Reichsmark musste locker machen, wer einen besitzen wollte. Umgerechnet waren das in etwa 16.000 Euro, die in unseren Tagen wohl nur unverbesserliche Liebhaber des Käfer zu investieren bereit sind. Immerhin eine Preisklasse, in der man heutzutage ziemlich gute und große Mittelklasse-Limousinen bekommen kann. Doch der Preis tat der sich entwickelnden Erfolgsstory keinen Abbruch.
Denn mit dem kurz darauf anlaufenden Export des Gefährts in die USA läutete VW mehr ein als nur den weltweiten "Mythos Käfer", der sich natürlich auch in den Verkaufszahlen widerspiegelte. Das kleine Auto wurde noch viel mehr - nämlich DAS Symbol für das deutsche so genannte Wirtschaftswunder in den 50er und 60er Jahren. Beliebt blieb der Käfer weiterhin, allerdings bekam er zunehmend Konkurrenz in seiner Klasse. Doch bis 2003 wurde weiter produziert, nämlich in Mexiko und in Brasilien; in Deutschland hingegen seit 1978 schon nicht mehr. Mehr als 21,5 Millionen Käfer liefen vom Band, knapp 16 Millionen davon in Deutschland. Und zum Abschluss noch einmal ein schmetterndes "Nein!" - dass du von den Nazis ersonnen wurdest, ist deine Schuld nicht. Armer kleiner, toller großer Käfer.
© Text: PS.de / HK | © Fotos, sofern nicht anders gekennzeichnet: PS.de
Schlagwörter: VW VW Käfer Volkswagen Auto
Comments
Noch kein Kommentar abgegeben!
Gib hier deinen eigenen Kommentar ab
Partner von



