Club 27

Hendrix, Joplin, Morrison und Cobain




21.06.2010

Spätestens wenn man einmal eine verschimmelte Milchschnitte, einen angegammelten Joghurt oder eine pechschwarze Banane gegessen hat, weiß man, dass jedes Lebensmittel ein Mindesthaltbarkeitsdatum besitzt. Doch das sog. MHD spielt auch in anderen Bereichen des Lebens eine wichtige Rolle. Autos besitzen nämlich genauso ein MHD wie Kühlschränke, Schraubenzieher oder elektrische Zahnbürsten. Doch zuweilen kann man den Eindruck gewinnen, dass auch manche Menschen ein spezielles MHD besitzen, das nichts mit dem eigentlichen Alterungsprozess zu schaffen hat.



Selbstzerstörung mit Ansage

Das wohl bekannteste Beispiel für ein menschliches MHD ist der sogenannte "Club 27", dem einige der bekanntesten Musiker des 20. Jahrhunderts angehören. Voraussetzung für die Mitgliedschaft: Ableben mit 27 Jahren. Unter anderem gehören niemand geringeres als Jimi Hendrix, Janis Joplin, Doors-Frontmann Jim Morrison und Grunge-Gott Kurt Cobain zum besagten Club. Während Hendrix und Joplin sich mit Heroin ins Jenseits beförderten, Cobain hingegen sich mit einer Schrotflinte pulverisierte, sind die genauen Todesumstände beim sagenumwobenen Jim Morrison bis heute nicht restlos aufgeklärt. Sprechen einige selbsternannte Experten von einer Überdosis Heroin, gehen andere hingegen von einer natürlichen Todesursache aus. Die unvermeidlichen Verschwörungstheorien um einen möglichen fingierten Tod nehmen aber genauso einen gehörigen Teil der Spekulationen ein.

Doch abgesehen von der Gemeinsamkeit, mit 27 das Zeitliche gesegnet zu haben, vereint diese Namen vor allem ihre Einstellung zur Musik. Denn genauso wie die 60er Stars Joplin, Hendrix und Morrison war es Kurt Cobain, der in den 1990er Jahren zum Aushängeschild der unbedingten Leidenschaft wurde. Gepeinigt von Depressionen und einem nie klar diagnostizierten Magenleiden versank Cobain umso mehr im Drogensumpf, je steiler es die Karriereleiter hinauf ging. Und dass der Konsum jeglicher Art von Drogen im "Club 27" eine Hausregel darstellt, weiß man nicht erst seit den geschilderten Todesursachen.

Kein neues Mitglied in Sicht

Und obwohl Songs wie "All Along the Watchtower", "The End", "Piece of My Heart" oder "Smells Like Teen Spirit" bereits einige Jahre auf dem Buckel haben, sind es eben diese Songs, die bis heute die Leben von Musik-Begeisterten verändern. Es scheint beinahe, als sei es für die Musiker unabdingbare Voraussetzung gewesen, ihre Leben in einem dämonischen Pakt einzutauschen, um dafür ihre Leidenschaft und ihren Schmerz auf ewig hörbar werden zu lassen.

Eher nüchtern betrachtet, könnte man natürlich auch einen rein physischen Grund für das so frühe Ableben der Musik-Legenden finden. Denn irgendwann muss so ein menschlicher Körper schließlich auch mal schlapp machen, wenn man ununterbrochen dem Whiskey und den Drogen zuspricht, die Nächte durchfeiert und sich nicht darum schert, ob jemand gerade eine Bierflasche auf seinem Kopf zertrümmert.

Doch egal, ob eher durch die pathetische oder die nüchterne Brille betrachtet: Unbestritten bleibt das Kuriosum, dass vier der größten Musiker des 20. Jahrhunderts ausgerechnet mit 27 Jahren ihr Leben lassen mussten. Und wer weiß, welcher Nachwuchs dem "Club 27" in nächster Zeit noch bevorsteht. Dafür müsste es allerdings erst einmal wieder dazu kommen, dass jemand sich aufschwingt, die Musiklandschaft in rücksichtsloser Selbstzerstörung auf den Kopf zu stellen, so wie es das letzte Mal Anfang der 90er Jahre geschah, als Cobains Nirvana zum bisher letzten wirklichen Meilenstein der Musikgeschichte wurde.

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© Text: PS.de / TA | © Fotos, sofern nicht anders gekennzeichnet: PS.de

Schlagwörter: club 27 Jimi Hendrix Janis Joplin Jim Morrison Kurt Cobain

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Comments

Kommentar von Alex | 28.06.2010, 14:11

Vor 20 Jahren war es Selbstmord, heute werden die Probleme mit Botox bekämpft.
Nur verwunderlich das Künstler wie Amy Winehouse oder Pete Doherty nicht schon längst schlapp gemacht haben.
Kommentar von Steve | 02.07.2010, 12:51

Die Parallelen zwischen den Todesfällen sind schon erstaunlich. Vielleicht kommt die Vergötterung der Interpreten aber zum Teil auch erst durch ihre Tode...

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