© Albrecht E. Arnold,Pixelio.de

Deutschland, dein Frühling
Grau in grau und zum Durchdrehen
19.05.2010
Alles hängt bekanntlich mit allem zusammen. Soll doch mal einer das Gegenteil beweisen, weit wird er nicht kommen! Wir rekapitulieren mal: Guido Westerwelle ist seit Oktober bundesdeutscher Außenminister. Die Finanzmärkte spielen verrückt, schon länger. Die Vertragsverlängerung vom Bundes-Jogi platzt peinlichst, die ollen Bayern sind nicht zu stoppen und dann fällt auch noch Michael Ballack für die WM in Südafrika aus. Und das Schönste: Wir Deutschen haben seit Wochen nur beschissenes Wetter. "Osnabrücker Sonnenschein", habe ich neulich einen in der U-Bahn zwischen Alexanderplatz und Rosa-Luxemburg-Platz sagen hören. Nicht, dass sich jetzt die Osnabrücker auf den Schlips getreten fühlen. Der hat das wirklich so gesagt.Zugegeben: Die These mit dem kausalen Komplettzusammenhang ist ein wenig... naja, gewagt. Aber treibt uns dieser Mai nicht alle langsam in den Wahnsinn? Es ist ein bisschen wie in Stanley Kubricks "Shining", das Wetter, dieses ewige Grau-in-Grau, ständig kalt und nass, ergreift es von unserer Psyche Besitz. All rain and no sun makes Jack a phlegmatic boy. Nicht, dass einer gleich eine Axt schwingen müsste, Gott bewahre. Aber zum Durchdrehen ist dein Frühling, Deutschland, allemal.
Kamillentee zur WM? Alles scheint denkbar
Werfen wir mal einen Blick ins Internet, wetterklima.de etwa bietet ein Archiv, in dem man beispielsweise die Abweichungen von der mittleren Wochentemperatur recht aktuell abrufen kann. Demnach war es vom 9. bis 15. Mai in weiten Teilen Süd- und Ostdeutschlands um ein bis drei Grad kälter als normal, im Norden, Westen und der Mitte sogar um drei bis fünf Grad. Längs der holländischen Grenze, ungefähr von Kleve bis Nordhorn, sollen es sogar fünf bis sieben Grad weniger gewesen sein als in den vergangenen 100 Jahren. Der Mai steht schon jetzt kurz davor, als der kälteste seit Ewigkeiten in die Geschichte einzugehen. Erst ein ewig währender Winter, jetzt kein Frühling und die Pessimisten unter den Meteorologen behaupten bereits, einen Sommer werde es auch nicht so richtig geben. Toll, nicht?
Man stelle sich das - nach all den Bildern, die wir von 2006 noch vor den Augen haben - mal vor: Es ist Fußball-WM und keiner geht hin. Wegen Kälte geschlossen, Public Viewing findet maximal in der Kneipe und mit Glühwein statt anstelle von Hefeweizen oder einem schönen Pils, und wer sich die Spiele zuhause anschauen möchte, sitzt in eine Decke gehüllt und mit einem Schal umwickelt bibbernd vor der Glotze, weil die blöde Hausverwaltung die Heizung am 31. Mai bei sieben Grad plus endgültig ausgeschaltet hatte. Kein Trost, dass es denen, die den Adler tragen, in Südafrika auch nicht besser geht, aber die haben wenigstens Bewegung, während unsereiner höchstens mal seinen Kamillentee umrührt und sich zitternd in die Küche schleppt, um Sesamkekse zu holen. Für Bier ist es zu kalt, und zum Erkältungstrunk passen Chips halt doch nicht so gut.
Aktuell ist es "zu warm" - na klar
Eine Verdächtige für das anhaltend fiese Wetter wurde allerdings noch kaum irgendwo angesprochen: die Aschewolke. Oder ist das jetzt nur eine fixe Idee? Menschen wollen Erklärungen, aber die gibt es nicht, also wollen die Menschen wenigstens gute Prognosen. Tatsächlich gibt es sie, etwa beilangfristwetter.com. Es steht dort geschrieben, dass der Juni warm bis sehr warm werden soll - ebenso der Juli und der August. Es deute sich ein "ein warmer bis sehr warmer Sommer 2010 an", heißt es weiter. Mit 97-prozentiger Wahrscheinlichkeit werde der Juni "zu warm" werden - hoppla?! Wer allerdings genauer hinschaut, entdeckt, dass auch der aktuelle Monat Mai als "leicht übernormal temperiert" annonciert wurde und wird. Wie das nun mit dem Rest zusammenhängt? Vielleicht überhaupt nicht. Soll doch mal einer das Gegenteil beweisen. Aber der, der das könnte, sitzt weiter im Knast. Der Kachelmann.
© Text: PS.de / HK | © Fotos, sofern nicht anders gekennzeichnet: PS.de
Schlagwörter: Wetter Deutschland Fussball
Comments
Kommentar von Jens | 19.05.2010, 16:56
Spricht mir aus der sonnenlosen Seele. Das Wetter nervt wirklich tierisch!
Spricht mir aus der sonnenlosen Seele. Das Wetter nervt wirklich tierisch!
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