
Die 60er
Als jeder Tag ein Ereignis war
21.08.2010
So um die Mittagszeit macht Fernsehen so richtig Spaß. Vor allem auf Sport1 (ehemals DSF). Dort gibt es nämlich noch vor der unsäglichen Hohlkopf-Quiz-Show Dauerwerbesendungen zu bestaunen, die sich allgemeiner Beliebtheit erfreuen. Denn mit nur einem Telefonanruf lassen sich Küchenhobel, Staubwedel und Messersets nach Hause holen, die aus einer anderen Welt zu stammen scheinen. Denn die Hobel sind unzerstörbar, die Staubwedel der reinste Staub- Magnet und mit den Messern lassen sich ganze Boeings in kürzerster Zeit zerlegen. Doch auch die Musik kommt in derlei Werbesendungen nicht zu kurz. Denn neben einer Reihe von überteuerten Schlager-Kompilationen ist es vor allem der Sound der 60er, der in jeder zweiten Werbesendung an den Mann gebracht werden will.Revolution und Marketing
Dass dem geneigten 60er-Fan dabei Bands wie "The Mamas and the Papas" oder "Simon and Garfunkel" bereits zum Halse heraus hängen, liegt nicht zuletzt an jenen Dauerwerbesendungen, welche die berühmtesten Songs der Dekade in Endlosschleife totspielen. Dass die 60er Jahre zu den interessantesten Jahrzehnten des vergangenen Jahrhunderts gehören, daran kann aber auch Sport1 nichts ändern. Denn neben einer Vielzahl von Musikern, die wie Jimi Hendrix, Jim Morrison oder Bob Dylan Geschichte schrieben, haben die 60er vor allem eins zu bieten: Revolution an allen Ecken und Enden der Welt. Während das junge Amerika vor allem die Liebe zu neu entdeckter Gitarrenmusik und grenzüberschreitender Literatur im sog. "Summer of Love" auslebte, herrschte in Deutschland eine Atmosphäre sozialer Umwälzung, die in der berühmt gewordenen "68er-Generation" ihren Ausdruck fand.
Die Studentenbewegung um Rudi
Dutschke ist bis heute genauso unvergessen wie das Aufkommen antiautoritärer Erziehung. In den USA bedeutete das Woodstock-Festival 1969 gleichzeitigen Höhepunkt und Abschluss der Hippiebewegung, die innerhalb kürzester Zeit das gesamte Land erfasst hatte und den Vietnamkrieg als Anlass zu Protesten nahm. Doch was als Gegenbewegung einzelner Gruppierungen begann, erwuchs zu einem kommerzialisierten Jugend-Lifestyle, der nichts mehr mit den Werten von Freiheit, Liebe und Unabhängigkeit gemein hatte.
Große Namen im Fadenkreuz und auf dem Mond
Dass die 60er Jahre eine Zeit der Umwälzung waren, beweisen auch eine Reihe tragischer Ereignisse, die bis heute ihre Schatten werfen. Dazu zählen u. a. die Ermordungen John F. und Robert Kennedys sowie die Attentate auf Martin Luther King und Malcom X, die zu den herausragendsten Persönlichkeiten des 20. Jahrhunderts zählten. Für positive Schlagzeilen sorgte hingegen die Mondlandung am 21. Juli 1969. Neil Armstrong und Buzz Aldrin betraten als erste Menschen den Mond und sorgten damit für das bis hierhin wohl größte Ereignis der Menschheitsgeschichte.
Zweifellos waren die 60er Jahre das in vielerlei Hinsicht aufregendste Jahrzehnt seit Kriegsende 1945. Dass mit dem Ende der Dekade die Aufbruchstimmung ebenso abrupt endete, gehört zu den großen Mysterien der Geschichte. Denn innerhalb nur eines Jahres nach Woodstock zerschlugen sich die Grundfesten der Hippiebewegung, was dem Verlangen nach fundamentaler Veränderung ein jähes Ende setzte. Heute ist es vor allem die Musik, die uns an eine Zeit erinnert, in der beinahe an jedem Tag etwas Weltbewegendes geschah. Schade eigentlich, dass die meisten Menschen den 60er-Sound zumeist nur auf Sport1 zu hören bekommen. Bei wirklich wichtigen Werbesendungen nämlich.
© Text: PS.de / TA | © Fotos, sofern nicht anders gekennzeichnet: PS.de
Schlagwörter: 60er Jahre Musik Sport1 Mondlandung John F. Kennedy Rock'n Roll
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