
Die Doppelsechs
Up to date im Mittelfeld
13.07.2010
Früher war alles noch ein bisschen einfacher. Vor allem beim Fußball. Die Spieler liefen nicht so viel, nicht so schnell und zumeist wie ein wild gewordener Hühnerhaufen kreuz und quer durcheinander. Da gab es ein paar Spieler, die waren außen, ein paar Spieler in der Mitte, doch eigentlich lief jeder nur dem Ball hinterher oder eben dem Spieler, der ihn gerade hatte.Und wenn ein Angreifer es doch einmal geschafft hatte, sich durch den Wust von Gegenspielern durchzudribbeln, stand ihm als letztes der Spieler gegenüber, der sich noch freier auf dem Feld bewegen durfte als die anderen: der Libero. Der Libero hatte nämlich die Aufgabe, dort die Lücken der Abwehr zu stopfen, wo es welche gab. Spielte er zu Beginn der Fußball-Zeit hinter der Abwehr, wurde es mit der Zeit und dem Abseits modern, ihn vor der Abwehr spielen zu lassen. Heute traut sich aber noch nicht einmal der altbackene Otto Rehhagel mit Libero zu spielen. Der Libero wurde nämlich wegmodernisiert.
Die Sechs muss nicht die 6 sein
Die Zeiten haben sich eben geändert. Die taktischen Aufstellungen auch. Da muss man nur einmal das arme 4-4-2 fragen, das sich noch vor wenigen Jahren großer Beliebtheit erfreute und seine Monopolstellung im internationalen Spitzenfußball genoss. Heute kräht nach dem 4-4-2 noch nicht einmal der gallische Hahn. Doch auch das holländische 4-3-3 oder das vor allem von schwächeren Mannschaften beliebte 4-5-1 steht vor dem Aus. Heute heißt es nämlich 4-2-3-1. Das ist 4-3-3 und 4-5-1 in einem. Irgendwie wie bei Waschpulver, bei dem Weichspüler, Bügeleisen und Kleiderhaken gleich dabei sind.
Das Wichtigste beim 4-2-3-1 ist die 2 nach der 4 und vor der 3. Das ist nämlich die sog. Doppelsechs. Und die gab es vor einigen Jahren noch gar nicht. Vor einigen Jahren gab es nur die normale Sechs. Die hieß so, weil der defensive Mittelfeldspieler früher immer mit der Zahl 6 auf dem Rücken auflief. Aber auch das hat sich heute geändert. Die Sechs könnte heute auch die 25 sein. Doch die Doppelsechs macht die ganze Angelegenheit noch etwas komplizierter. Bei der Doppelsechs spielen nämlich gleich zwei Spieler im defensiven Mittelfeld, von denen einer durchaus die 6 tragen könnte - beide aber nicht. Denn dann käme der Schiri schnell mit den gelben Karten durcheinander und sowieso wäre es doch ein bisschen komisch. Der Begriff "Doppelsechs" ist also zur Hälfte unlogisch - aber dann passt es ja auch irgendwie wieder.
Unlogisch aber gut
Warum heute beinahe jede Mannschaft mit der Doppelsechs spielt, ist klar. Zumindest für die Trainer. Heute kommt es nämlich auf eine stabile Defensive an, die aber genauso die Qualitäten besitzen muss, bei Ballgewinn in den Angriff umzuschalten. Und das geht wohl am besten mit der Doppelsechs. Und dadurch, dass man in der Defensive 4-5-1 spielt und im Angriff auf 4-3-3 wechselt, macht es den Eindruck, dass mehr als elf Spieler für die eigene Mannschaft auf dem Platz stehen. Das ist zwar auch irgendwie unlogisch ? aber es funktioniert.
Und wäre man wirklich altbacken - noch mehr als Otto Rehhagel -, dann könnte man auch behaupten, die Doppelsechs sei ein zweifacher Libero vor der Abwehr. Das macht aber keiner. Denn das wäre im Großen und Ganzen gar nicht richtig und den Libero gibt es auch schließlich nicht mehr.
© Text: PS.de / TA | © Fotos, sofern nicht anders gekennzeichnet: PS.de
Schlagwörter: Fussball Otto Rehagel
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