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Die über das Tor richten
Chip im Ball? Videobeweis? Nein. Was die FIFA von der UEFA lernen kann.
14.07.2010
Der Mann in Schwarz, der auf dem Spielfeld stand, blickte schnell zu dem anderen Mann in Schwarz, der an der Außenlinie stand. Der Mann auf dem Spielfeld nahm davon Notiz, dass der an der Außenlinie keine Anstalten machte, auf Tor zu erkennen, und so ließ der auf dem Spielfeld jenen Mann im grünen Jersey, der jetzt den Ball in der Hand hielt, weitermachen. Der in Grün warf das Spielgerät zu einem Mitspieler in Weiß und die Partie wurde beim Stand von 2:1 fortgesetzt. Es lief die 38. Minute im Achtelfinalspiel Deutschland gegen England.Dass die Debatte um die Schiedsrichterleistungen bei der WM in Südafrika so hoch hergeht, ist alles andere als eine faustdicke Überraschung. Verblüffend daran ist lediglich, dass die deftigen Fehlentscheidungen der Herren Larrionda (bei Deutschland-England) und Rosetti (bei Argentinien-Mexiko; Rosetti hatte eine eigentlich unübersehbare Abseitsstellung der Argentinier übersehen) zwei Referees unterlaufen sind, die in der Branche zu den Besten zählen. Normalerweise jedenfalls. Die zahllosen Falschpfiffe in der Vorrunde lassen sich nämlich zum Großteil damit erklären, dass die Schiedsrichter aus Ländern wie etwa Malaysia, Saudi-Arabien, Mali oder von den Seychellen stammen.
Nur der erste Schritt zur Totalüberwachung?
Nichts gegen diese Staaten, Gott bewahre, aber dass bei einer WM Schiedsrichter aus fußballerischen Entwicklungsländern eingesetzt werden und deren Qualität somit von allein in Frage steht, muss die FIFA so lang in Kauf nehmen, bis sie von diesem Prinzip abrückt. Sicher, auch diese Unparteiischen mussten sich für die WM qualifizieren - und man mag gar nicht daran denken, welche Figur ihre Konkurrenten, die sie hinter sich gelassen haben, auf Südafrikas Plätzen abgegeben hätten. Es liegt jedenfalls auf der Hand, dass Schiedsrichter aus extrem schwachen Fußball-Ligen mit auch nur mittelklassigen WM-Begegnungen schon überfordert sind.
Die Diskussion über den Chip im Ball und den Videobeweis wurde tatsächlich auch erst dann vom Zaun gebrochen, als mit dem Italiener Rosetti und dem Uruguayer Larrionda auch arrivierte Referees so richtig patzten. Das bedeutet: die Debatte ist um ein paar Dringlichkeitsstufen nach oben gewandert ? auch bei der FIFA, die sich bis zu jenem denkwürdigen Achtelfinalsonntag 2010 technischen Hilfsmitteln im Fußball komplett verweigerte. Es durfte noch nicht einmal drüber geredet werden, was FIFA-Boss Blatter zwei Tage nach den Aussetzern der Schiris aber höchstpersönlich unterminierte.
Zwei Parteien gibt es, womöglich auch bei der FIFA, ganz sicher aber bei Fans, Spielern und Trainern: die der Befürworter neuer Technik und die der Traditionalisten, die Fehler als Charakteristikum des Spiels deuten, ohne die es seelenlos zu werden drohe. Man kann sich problemlos zwischen beiden Lagern hin- und hergerissen fühlen. Doch so sympathisch und problemlos der Chip oder der Videobeweis sind, wenn es um nicht anerkannte oder zu Unrecht gegebene Tore handelt, so bedenklich ist die Frage danach, ob der Einsatz dieser Techniken nicht vielleicht doch nur ein erster Schritt zu einer Totalüberwachung des Spiels wäre.
Die elegante Lösung, sie ist möglich
Sind nämlich erst einmal Torentscheidungen nachprüfbar, so könnten die Verantwortlichen schon bald darauf drängen, auch harte Fouls und Platzverweise noch einmal per Videobeweis unter die Lupe nehmen zu lassen. Im nächsten Schritt kommen dann die gelben Karten auf den Prüfstand, dann Eckballentscheidungen, Einwürfe et cetera. Das kann ernsthaft niemand wollen. Die so genannte Seele des Spiels, sie wäre dahin gemeuchelt von Gerechtigkeitsfanatikern, die vom Fußball nichts verstanden haben.
Seit Sommer 2009 hat die UEFA in Spielen der Europa League zwei zusätzliche Torrichter installiert, es ist ein Pilotprojekt, das weitestgehend funktioniert hat. Wenn diesen Torrichtern die Kompetenzen eingeräumt würden, nicht nur über Tor und Nicht-Tor zu entscheiden, sondern auch über für sie klar ersichtliche Abseitsstellungen ? es wäre vielleicht eine elegante Lösung zwischen Überwachungsbefürwortern und Traditionalisten. Und der Mann in Schwarz, der auf dem Feld steht, hätte zukünftig zwei Ansprechpartner, um sich abzusichern.
© Text: PS.de / HK | © Fotos, sofern nicht anders gekennzeichnet: PS.de
Schlagwörter: Fussball Schiedsrichter Weltmeisterschaft Südafrika WM
Comments
Kommentar von Jonas | 15.07.2010, 14:08
Ich bin eigentlich auch dagegen, dass die totale Überwachung im Fußball eingeführt wird. Auch wenn ich natürlich verstehen kann, dass beispielsweise die Engländer nach dem Achtelfinale 'not amused' waren. Aber ich befürchte, dass die Technik, einmal eingesetzt, sich nicht auf die Frage Tor oder nicht Tor beschränken würde. Und wenn sie weiter ausufern würde, wären bestimmt noch häufigere Spielunterbrechungen die Folge. Und wer will schon am Ende 20 Minuten Nachspielzeit?
Ich bin eigentlich auch dagegen, dass die totale Überwachung im Fußball eingeführt wird. Auch wenn ich natürlich verstehen kann, dass beispielsweise die Engländer nach dem Achtelfinale 'not amused' waren. Aber ich befürchte, dass die Technik, einmal eingesetzt, sich nicht auf die Frage Tor oder nicht Tor beschränken würde. Und wenn sie weiter ausufern würde, wären bestimmt noch häufigere Spielunterbrechungen die Folge. Und wer will schon am Ende 20 Minuten Nachspielzeit?
Kommentar von Tommy | 30.08.2010, 16:03
Irgendwie bedauer ich die Schiedsrichter beim Fußball am meisten, da die die größte Verantwortung tragen und obendrein anscheinend am meisten laufen. Ich finde die totale Überwachung eigentlich gut, denn dann gibt es weniger Diskussionen.
Irgendwie bedauer ich die Schiedsrichter beim Fußball am meisten, da die die größte Verantwortung tragen und obendrein anscheinend am meisten laufen. Ich finde die totale Überwachung eigentlich gut, denn dann gibt es weniger Diskussionen.
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