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Fish 'n' Chips werden 150
Die Briten und ihr liebstes Fastfood-Kind
18.03.2010
Der Deutsche mag den Backfisch meist im Brötchen. Gern auch als Tellergericht mit Kartoffelsalat. Und auf jeden Fall mit Remoulade. Unsere Pommes hingegen verzehren wir am liebsten zu einem Wiener Schnitzel oder einem Burger, dazu darf es gern ein Löffel Ketchup oder Mayonnaise sein. Drüben, auf den Eilanden zwischen Nordsee und Atlantik, wo sie gekochtes Hammelfleisch und gegrilltes Lammkotelett in Minzsoße ertränken, kommt ihnen jedenfalls keine Remoulade auf den Backfisch. Minzsoße, was sind wir froh, auch nicht, aber zum fettigen Fisch garnieren sie fettige Pommes und als ob das noch nicht reichte, haben sie bis in die Achtziger das Ganze auch noch in alten Boulevardzeitungen gereicht.Mit dieser Sitte haben die Briten aber, da sie momentan den 150. Jahrestag der fettigen Einheitswerdung von Fish 'n' Chips feiern, aus Respekt vor dem Essen Schluss gemacht. Oder aus Respekt vor den Zeitungen vor allem aus der Fleet Street in London, wer weiß. Wobei das nicht gerecht ist, denn Fish 'n' Chips wären eigentlich ein ganz leckeres Gericht, wenn der Brite nicht auch hier seinem Hang zur übermäßigen Soßifizierung nachgeben müsste. Denn entweder kippt man jenseits des Ärmelkanals Ketchup über die goldgelbe Kombination oder Essig. Schade eigentlich.
Die englische Verbeugung vor der Nouvelle Cuisine heißt: Pommes
Kunst und Kultur haben dem Imbiss, dessen fette Jahre noch lange nicht vorbei sein dürften - immerhin gehen pro Jahr 300 Millionen Portionen über die Tresen der Fish 'n' Chips-Buden -, im Lauf der Jahrzehnte einige Denkmäler gesetzt. Man denke etwa an den Monty-Python-Film "Ein Fisch namens Wanda". Otto (Kevin Kline), der Durchgeknallte unter den Juwelendieben und der amerikanische Geliebte von Wanda Gershwitz (Jamie Lee Curtis), hat den stotternden und naiven Ken (Michael Palin), einen Aquariumsfreund, in dessen Küche gefesselt, um ihm zu entlocken, wo die Beute nach dem Überfall versteckt worden ist. Otto will das Diebesgut nämlich für sich allein haben. Er sitzt also in Kens Küche, quetscht diesen aus und stopft ein paar Pommes in sich hinein. Dann kommt ihm die Idee, die er braucht, um Ken die gewünschten Informationen zu entlocken. Er steckt ihm zwei mit Ketchup beschmierte Pommes in die Nasenlöcher und sinniert vor sich hin: "Die englische Verbeugung vor der Nouvelle Cuisine heißt: Pommes." Dann, kurz darauf: "Was essen die Engländer normalerweise mit diesen Dingern, um sie etwas interessanter zu machen?" Ken reißt vor Schreck die Augen weit auf, er weiß, was kommt. Otto: "Aber ja! Moment mal - Fisch. Hab' ich Recht?" Und geht zum Aquarium, um ein paar Fische bei lebendigem Leib zu verspeisen. Eine Huldigung für Fish 'n' Chips. Oder?
Auch die Briten huldigen ihrer fettigen Erfindung. Nämlich indem sie das Zeug massig zu sich nehmen, es ist auf den Inseln immer noch um einiges beliebter als türkisches, indisches oder pakistanisches Fastfood. Und, kaum zu glauben, aber wohl war: Fish 'n' Chips sollen immerhin 42 Prozent weniger Fett enthalten als etwa Döner Kebab.
Weniger fettig als Döner und hygienisch astrein - inzwischen zumindest
Mit diesen Angaben jedenfalls wirbt die National Federation of Fish Friers, die Vereinigung der Fischfrittierer, für ihr und der Briten liebstes Kind, wenn es um die schnelle Nahrungsaufnahme geht. Erstaunlich genug, dass es einen solchen Zusammenschluss überhaupt gibt, ihr deutsches Pendant müsste, würde es existieren, die Union der Leberkäse-im-Brötchen-Verkäufer sein.
Ach ja, ein Rätsel bleibt. Das der Boulevardzeitungen vom Vortag, in denen Fish 'n' Chips in früheren Zeiten gereicht wurden. Man mag es kaum glauben, aber die Erklärung dafür ist simpel: Es ist gesetzlich nicht mehr erlaubt. Vor rund 20 Jahren wurde das entsprechende Gesetz geändert. Hygienisch war es offenbar nicht länger zu verantworten, Fisch und Kartoffeln aus alten Zeitungen zu essen.
© Text: PS.de / HK | © Fotos, sofern nicht anders gekennzeichnet: PS.de
Schlagwörter: Fish 'n' Chips England Fast-Food Essen
Comments
Kommentar von Werner | 11.05.2010, 11:56
Dieses Gericht hat einfach Kultstatus und sollte auf jeden Fall bei einem Besuch in England probiert werden. Alleine das die Fritten mit Essig und aus einer Zeitung gegessen werden, machen diesen Snack einfach zu einem Erlebnis.
Dieses Gericht hat einfach Kultstatus und sollte auf jeden Fall bei einem Besuch in England probiert werden. Alleine das die Fritten mit Essig und aus einer Zeitung gegessen werden, machen diesen Snack einfach zu einem Erlebnis.
Kommentar von Chris | 15.07.2010, 15:14
Also gegen Backfisch und Pommes hab ich ja prinzipiell nix einzuwenden. Auch nicht gegen eine ordentlichen Klecks Remoulade oben drauf. Aber was den Essig angeht, da hört bei mir der Spaß auf ;-). Ich glaub' da bleib ich lieber typisch deutsch :-).
Also gegen Backfisch und Pommes hab ich ja prinzipiell nix einzuwenden. Auch nicht gegen eine ordentlichen Klecks Remoulade oben drauf. Aber was den Essig angeht, da hört bei mir der Spaß auf ;-). Ich glaub' da bleib ich lieber typisch deutsch :-).
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