Fuck it, wir dürfen wieder fluchen!

Das "beep" hat ausgedient - schade um eine große kreative Nische




10.08.2010

"What the ffffffuck is this!?!", will Mr Samuels jetzt lauthals wissen. Gerade wurde ihm von Natalie, Ryan Binghams (George Clooney) Kollegin, per Videokonferenz die Kündigung übermittelt. Aber darum geht es jetzt nicht, es geht darum, dass Mr Samuels in diesem Gespräch das f-Wörtchen noch ein zweites Mal und gut hörbar verwenden wird, wie es der Film im Gesamten mehrere Male zulässt. Auf jeden Fall in der amerikanischen Originalfassung von "Up in the Air", jener intelligenten Parodie auf Vielflieger und die Wirtschaftskrise, die Jason Reitman drehte. Aber wir bleiben beim f-Wort, das im Film nicht allein bleibt, da sich auch das s-Wort ("shit") hinzugesellt sowie ein paar weitere Flüche, die die Ohren von US-Kinogängern seit Menschengedenken nicht mehr erreicht haben. Jedenfalls dann nicht, wenn sie grad im Kino waren.



Kulturtheoretisch betrachtet, stellt die Rückkehr von "fuck" und "shit" auf amerikanische Kinoleinwände eine gute und eine unerfreuliche Nachricht dar. Die gute: die falsche Prüderie zwischen New York und Los Angeles, zwischen den Great Lakes und New Orleans, sie hat offenbar ausgedient. Doch die schlechten Neuigkeiten gelten vor allem der Kreativität.

Ein Katz-und-Maus-Spiel mit anarchischen Zügen


In den USA wurde nämlich nun herausgefunden, vermutlich von republikanischen Bedenkenträgern, übereifrigen Moralaposteln und Fernsehpredigern (diese Liste ist beliebig fortsetzbar), dass das Fluchverbot im Kino und im Rundfunk eine Medaille war, die nur mit einer Seite glänzen konnte. Die andere Seite nämlich erwies sich für die Moralapostel und Bedenkenträger als dreckig - die mediale Ächtung von Schimpfwörtern produzierte eine wahre Flut neuer Flüche, die als solche nicht zu erkennen sein sollten und somit auch nicht belangbar. Schließlich wurden die unflätigen Ausdrücke mit, Achtung, bis zu 325.000 Dollar Strafe geahndet. Wer Beträge dieser Art nicht wie Clooney, Spielberg, Jolie und Co. mal eben aus der Portokasse bezahlen kann, dürfte es sich zweimal überlegt haben, auch nur ein "shoooot" - als Ersatzwort für shit - im Munde zu führen.

Der Kreativität im Erfinden neuer Flüche und Schimpfwörter waren keine Grenzen gesetzt, Tag für Tag kamen viele Verbalinjurien hinzu. Die Jäger der erfundenen Malediktate schafften es nicht, dranzubleiben und Strafen zu verhängen, denn kaum war ein Ausdruck auf die Liste gesetzt, wurde er umgemodelt und die Jagd musste von vorn beginnen. Ein Katz-und-Maus-Spiel mit ziemlich anarchischen Zügen, wenn man es sich mal genau überlegt. Auf die gestrengen Sittenwächter der Neuen Welt musste die selbst eingeführte Überwachung wie blanker Hohn wirken. Ein Stein, den man auf andere werfen wollte, der jedoch auf die eigenen Zehen fällt, tut mächtig weh, und weil man dann den Schaden hat, muss zumindest für den Spott nicht gesorgt werden.

Hört mal gut her, ihr Sittenwächter, wir haben etwas zu sagen


Mit der Rückkehr von fuck und shit entledigen sich amerikanische Medien zugleich eines inzwischen mehr als vertrauten Geräuschs. Es hört auf den Namen "beep" und ist uns mindestens aus Gangsta Rap-Videos US-amerikanischer Provenienz bestens bekannt. Ja, auch wir werden uns wieder umstellen müssen, aber nur, was Produktionen aus den USA betrifft. Europäische Filmemacher haben weniger Skrupel zu deutlichen Worten. Aber sie bestraft ja auch keiner.

Und jetzt, ihr Sittenwächter, Moralisten und Bedenkenträger da drüben, jenseits des großen Teichs, müssen wir leider etwas tun, was uns doch schon längst auf der Zunge lag beziehungsweise in den Fingern juckte. Wir müssen euch zurufen: In the end - did your system fuck itself? Haha, your plans were SHIT! Sincerely: can't stand you. Assholes.






© Text: PS.de / HK | © Fotos, sofern nicht anders gekennzeichnet: PS.de

Schlagwörter: Amerika Kino Fernsehen Fluchen




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Comments

Kommentar von Ben | 25.08.2010, 15:07

Eigentlich schade - wird jetzt doch zu einem Rückgang der Kreativität kommen, wenn die ganzen netten Wörtchen wieder erlaubt sind.

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