Das "Wissensmagazin" Galileo

Alles, nur nicht Wissenschaft




09.08.2010

Zugegeben! Die deutsche TV-Landschaft ist ein Trümmerfeld. Die Comedy ist nicht lustig, die Nachrichten sind nicht informativ und das Mittagsprogramm ist die reinste Folter. Aber das ist ja auch längst kein Geheimnis mehr. Jeder weiß darüber Bescheid und hat sich damit abgefunden. Warum also an einem toten Esel rütteln? Warum einem Opa die Zähne klauen? Warum blöde Fragen stellen?



Backsteine à la Galileo


Zuweilen regt man sich aber dennoch auf. Wenn nämlich das sog. Wissensmagazin "Galileo" anfängt, gerinnen schon mal die Eiweiße im Körper. Denn beinahe jeden Tag wird der Zuschauer von pseudo-wissenschaftlichen Galileo-Beiträgen geärgert. Außer Samstags - da kommt "Talk Talk Talk" mit Sonya Kraus. Wenn man also kurz nach 19 Uhr ProSieben einschaltet, bekommt man es in der Regel mit Aiman Abdallah, Stefan Gödde oder Eva Mähl zu tun. Im munteren Wechsel preisen uns diese netten Menschen Beiträge an, in denen es zumeist derart hanebüchen zugeht, dass man glauben könnte, Galileo sei im Grunde ein großer Kindergeburtstag - für ganz ganz kleine Kinder.

Denn wer hat es nicht schon mal probiert. Man kauft sich einen Bauhelm, schraubt ein Holzbrett dran und versucht, so viele Backsteine wie möglich darauf zu jonglieren. Wer aber nicht das nötige Kleingeld für Helm und Brett hat, kann sich diesen Schwachsinn auch einfach vom Galileo-Team vormachen lassen, das im Übrigen nur aus Professoren, Nobelpreisträgern und Busenfreunden von Ranga Yogeshwar besteht. Wer sich aber dennoch fragt, aus welchem Grund man sich Backsteine auf die Rübe packen sollte, der sieht die Angelegenheit womöglich ein bisschen zu eng. Das ist nämlich Wissenschaft und trägt dazu bei, dass man mehr darüber erfährt, wie viele Backsteine so ein Bauhelm mit einem Brett oben drauf verträgt.

Rasante Bikinis für Jung und Alt


Unbedingt hilfreich sind auch immer jene Beiträge, in denen Galileo die Geschwindigkeit von Dingen misst, die man von irgendwo herunterschubst. Diese Dinge können z. B. Frauen bzw. sog. Galileo-Reporterinnen sein, die man eine Wasserrutsche hinunter rauschen lässt. Dass der geneigte männliche 15 bis 85-jährige Zuschauer darauf hofft, dass bei 60 km/h und Vollbremsung im Planschbecken das Bikini-Oberteil flöten geht, spielt in den Galileo- Planungen eines solchen Experiments allerdings bestimmt keine Rolle. Aber auch wirklich entbehrungswürdige Dinge nehmen bei Galileo Fahrt auf. So lässt man Autos Skischanzen hinuntergleiten, sog. Stuntmen müssen sich hinter Autos her schleifen lassen oder im Baggersee nebenan beinahe ertrinken.

Ähnlich wichtig sind die sog. "Fake-Checks", in denen pixelige Internetvideos auf ihren Realitätssinn überprüft werden. Kann man Unterwasser tatsächlich kochen? Besteht die Möglichkeit, mit einem Basketball Fußball zu spielen, ohne ausgebildeter Tischtennislehrer zu sein? Wer die Antworten darauf wissen will, der weiß, wo er sie bekommt. Dies alles wäre aber nur halb so schlimm, gäbe Galileo zu, dass man den Zuschauer zum Abend mit ein bisschen Schwachsinn unterhalten will, damit dieser von seinem harten Tag entspannen kann. Doch der ausgegebene Anspruch eines Wissenschaftsmagazins samt "Sehen- Staunen-Verstehen"-Mottos macht aus der Sendung eine beinahe zynische Peinlichkeit, der nicht wenige unbedarfte Zuschauer auf den Leim gehen. Denn wenn in absehbarer Zukunft der Schüler seinen Physiklehrer fragt, warum man nicht Backsteine auf dem Kopf stapeln könne, anstatt sich mit Einstein auseinander zu setzen, ist es längst zu spät.






© Text: PS.de / TA | © Fotos, sofern nicht anders gekennzeichnet: PS.de

Schlagwörter: Galileo PRO7 Fernsehen Wissen




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Comments

Kommentar von Simon H. | 09.08.2010, 15:27

Ich finde, dass Galileo versucht, Jugendlichen Wissen zu vermitteln und daher auch Themen nimmt, die für sie interessieren sein könnten. Was gut - und meistens leider auch nötig - ist. Die Galileo-Themen finde ich grundsätzlich überflüssig. Die Sendung mit der Maus ist da schon wesentlich cooler;)
Kommentar von Kevin B. | 10.08.2010, 09:06

Gut, ok, es ist keine Wissenschaft, was Galileo da präsentiert. Kann auch sein, dass es absolut überflüssig ist. Aber es macht doch auch Spaß. Und das vermutlich auch ziemlich vielen Leuten, sonst würde die Sendung doch kaum schon so lange laufen.

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