
Gamescom 2010 in Köln
Die wollen doch nur spielen
23.08.2010
Es ist gar nicht so lange her, da wurde man schräg angeschaut, wenn man freimütig bekannte: Ich bin Gamer. Spieler sagt man sowieso nicht, weil man direkt in einer Schublade landet, in der nur Platz für schmierige Hinterhofkaschemmen mit windigen Kartenspielen, oder abgewrackte Spielotheken mit hupenden Geldspielautomaten Platz ist. Zocker wurde man manchmal auch genannt, doch durchgesetzt hat sich Gamer, als Ausdruck für jemanden, der einen Teil seiner Freizeit mit Freuden vor einem PC-Bildschirm oder TV-Gerät verbringt, in der Hand ein Joypad oder eine Maus, vor den Augen bunte Pixel die sich entweder gegenseitig bekämpfen, Sport miteinander treiben, oder gar Wirtschaftsimperien aus dem Boden stampfen.Milliardenindustrie
Gut, auch heute wird man oftmals noch belächelt, oder landet - nicht zuletzt auf grund der immer wieder aufwallenden Killerspieldiskussion - doch wieder in einer Schublade. Aber man muss feststellen, dass es besser geworden ist. Und das kommt nicht von ungefähr, schreibt die dahinter stehende Branche doch mittlerweile bessere Umsatzzahlen als etwa die Filmgiganten Hollywoods. Teilweise dauern Spieleentwicklungen länger als die Dreharbeiten für einen Blockbuster - kurz, es geht um ein Milliardengeschäft. Kein Wunder also, dass die Industrie sich regelmäßig zum Stelldichein trifft, sei es an solch illustren Orten wie Las Vegas oder Los Angeles, oder eben auch in Köln.
Stundenlange Warteschlangen
Das Konzept, früher noch als Gamesconvention bekannt und in Leipzig beheimatet, wurde kürzlich in die Domstadt transferiert, und zieht dort jährlich ungefähr 250.000 Besucher bei vier öffentlichen Messetagen an. Die Idee ist dabei so simpel wie erfolgreich: Spieleentwickler und -vertreiber lassen sich über die Schulter schauen, präsentieren Neues und noch nicht Fertiges, und die nach immer neuen Sensationen oder Inhalten hungernde Gemeinschaft der Fingerakrobaten honoriert dieses mit teilweise stundenlangen Warteschlangen vor den Ständen. Und angesichts der Viertelmillionen potenzieller Käufer, legt sich die Branche in Köln manchmal richtig ins Zeug und schöpft aus dem Vollen. Überdimensionale Displays, wummernde Beats, Präsentationen auf Bühnen oder direkt zum Anfassen an Bildschirmen, eigene Spielbereichen mit Gameguides, massenhaft Giveaways wie T-Shirts, Keyholder, Betakeys zum Testen von fast fertigen Produkten am heimischen Gerät, und, äh, spärlich bekleidete Damen, gehören zum Standardrepertoire eines großen Messestandes. Nicht umsonst kommt manch Gamer nach einem Tag auf der Gamescom völlig Reiz überflutet nach Hause.
Ein Rucksack voll Shirts
Wer es einigermaßen geschickt anstellt und ein gewisses Maß an Geduld an den Tag legt, schafft es so, mit einem Rucksack voll neuer Shirts und einem großen Strauß an neuesten Spieleeindrücken nach Hause zu gehen. Und gerade in diesem Jahr gibt es eine ganze Menge zu sehen. So stellt etwa der Redmonder Konzern Microsoft seine neueste Hardware für die X-Boxen vor: kinect, das erste kabellose, bewegungssensitive Steuerungskonzept. Auch Konkurrent Sony hat ein auf erkannten Bewegungen beruhendes Konzept präsentationsfertig zur Hand: PlaystationMove. Nintendo, als einziger im Bunde der Big Three, der schon seit Jahren sein WiiMotion etabliert hat, zeigt mit dem Spiel The Legend of Zelda: Skyward Sword, wie weit man selbst mit der Bewegungssteuerung schon ist. Da ist es nur ein kleiner Wermutstropfen, dass die angekündigte 3D-Handheldkonsole 3DS in Köln nicht zu sehen ist. Allein mit diesen drei Anlaufpunkten wird der begeisterte Konsolero schon mindestens einen halben Messetag zu bringen können.
Und noch viel mehr
Doch auch für die PC-Spieler ist genug in der Pipeline, um nicht neidisch auf die Konsolenspieler schauen zu müssen: Erste Einblicke in das neue WoW-Addon Cataclysm, Dragon Age 2, Diablo 3, Portal 2, Civilization 5, seien einfach mal in den Raum gestellt. Dazu gesellen sich Hardwareperlen, wie etwa die neue Gamingmouse RAT7, die aussieht, wie ein Raumschiff kurz vor dem Start in den Hyperraum, und auch etwa so viele Funktionen mit bringt. Eigentlich ist es schlichtweg unmöglich, alle sehenswerten Neuheiten in einen solch kurzen Artikel zu pressen, zumal die Grenzen der Unterscheidung zwischen heimischem PC und heimischer Konsole im Softwarebereich immer fließender, und die damit die Menge der eigentlich aufzuzählenden Dinge noch unübersichtlicher wird. So kann ich mir jetzt schon vorstellen, dass es nachher heißt: Aber er hat gar nicht Final Fantasy gesagt, und Gran Tourismo oder Mafia 2 auch nicht. Oder Fallout: New Vegas, oder FIFA 11, oder oder oder. Und zum Retrogaming hat er auch nix gesagt, oder zum Casemodder-Wettstreit...
Es lohnt sich
Aber, liebe Gamer-Gemeinde, seht es mal positiv: Es zeigt doch nur, dass auch für Euch in Köln mehr auf Euch wartet, als hier jetzt geschrieben steht. Ihr könnt Euch selbst noch bis Sonntag von der Couch schwingen und nach Köln reiten, um dort Euer ganz eigenes Gamescom-Abenteuer zu erleben. Es lohnt sich wirklich! Doch einen Tipp mag ich Euch noch mit auf die Reise geben: Nehmt Proviant und Gehörschutz mit. Denn die Gastropreise sind unverschämt, und die Lautstärke teilweise übertrieben. So gerüstet lässt es sich noch besser feststellen: Ich bin ein Gamer, und das ist gut so!
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© Text: PS.de / MR | © Fotos, sofern nicht anders gekennzeichnet: PS.de
Schlagwörter: Gamescom Köln Spiele Games Messe
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