Hauptsache in Bewegung

Bewegungssensitive Steuerungen auf der Gamescom 2010




28.08.2010

Ein bisschen klagt sie, die Branche - ist doch nach den Boomjahren die allgemeine Krise auch bei den Spieleentwicklern und -händlern angekommen. Doch was heißt in dem Fall eigentlich Krise? Stagnation auf hohem Niveau, und für die nähere Zukunft schauen die aktuellen Konjunkturdaten schon wieder recht rosig aus. Ein Messebesucher bringt es auf den Punkt: "Die Branche muss jetzt einfach nur in Bewegung bleiben, um die kommenden Entwicklungen nicht zu verschlafen." Genau das scheinen sich zwei der Branchenriesen auch gedacht zu haben. Sicher auch mit dem durchschlagenden Erfolg der Wii von Konkurrent Nintendo im Hinterkopf, entwickelten Microsoft und Sony ebenfalls bewegungssensitive Steuerungen für ihre jeweiligen Flagschiffe. Schauen wir uns zuerst Microsofts kinect an.



Sony mit seinem PlaystationMove

Ganzkörper-Workout


Anders als Sony und Nintendo, geben die Redmonder dem Spieler in Zukunft gar kein Steuerungsgerät mehr in die Hand, sondern lassen den Spieler alles über Körperbewegungen und Gesten steuern. Herzstück ist dabei die 149 Euro teure, und hierzulande im November erscheinende Hardware. Damit werden, vereinfacht gesagt, die Bewegungen des Spielers im Raum vor der Kamera in Steuerungsimpulse umgesetzt. Und umgesetzt ist dabei auch das wichtigste Stichwort. Das, neben weiteren Titeln, auf der Gamescom spielbare Dance Central interpretiert die tatsächlich gemachten Bewegungen recht zügig, flüssig und stimmig in das Spiel. Anders ist es bei Kinectimals, einem putzigen Kinderspiel mit Tieren. Hier scheinen die Bewegungen eher zufällig ins Geschehen übertragen zu werden, und auch bei Kinect Sports hat man nicht immer das Gefühl, auf dem Bildschirm 1:1 das zu sehen, was man per Leibesübung eigentlich abgeliefert hat. So bleibt unter dem Strich die Erkenntnis, dass die Hardware kinect wie so oft im Business mit der begleitenden Software steht und fällt. Die Liste der angekündigten Spiele liest sich zwar recht beeindruckend, doch ob darunter bereits der Millionseller ist, der Wind in die Segel der Hardware bläst, bleibt vorerst abzuwarten.

Bunte Bälle


Einen anderen Weg schlägt Sony mit seinem PlaystationMove ein, und ist damit näher am Ideengeber WiiMotion. Das Rezept scheint zunächst geklaut, erinnern doch die Eingabegeräte sehr an WiiMote und Nunchuk, doch das Süppchen ist tatsächlich ein anderes, da im Detail anders gekocht. Auf die Technik will ich allerdings nicht näher eingehen, wohl aber auf den Umstand, dass das Steuergerät für die zweite Hand dankenswerterweise ohne Kabel auskommt. Und natürlich auf die bunten Bälle. Diese sind es schlussendlich, die von einer Kamera erfasst, die Bewegung im Raum als richtungsweisende Dateneingabe ins Spiel interpretieren.

Immer in Bewegung bleiben
Auch hier gibt es wieder einige Titel zum Anspielen, unter anderem natürlich auch ein Tanzspiel (Schimpf und Schande über mich, ich habe den Namen nicht notiert!), welches im subjektiven Vergleich zu Microsofts Variante noch etwas spaßiger daher kommt. Auch ein Sport-Spiel, alias Sport Champions, ist vertreten - und hier wird zum ersten Mal auch deutlich, dass Sony im Rennen der Verfolger insgesamt die Nase vorn haben könnte. Die Steuerung darf man durchweg als intuitiv und präzise beschreiben, und im Vergleich zu Wii Sports Resort wirkt die Grafik erwachsener und gar nicht auf Knuddelfaktor setzend. Einzig, und das ist ein Wermutstropfen, man hat beständig das Gefühl, dass die Steuerung mehr könnte, als dem Sportspiel am Ende einprogrammiert wurde. Ein typischer Launchtitel? Das bleibt abzuwarten.

Fazit:


Die Idee, Videospieler intuitiver zu machen und vom Joystick oder -pad zu lösen ist nicht neu. Um genau zu sein, sie wurde auch nicht erst mit der Einführung der Wii erfunden. Die Wurzeln reichen deutlich weiter zurück. So sei etwa der Power Glove von Mattel aus den 1980er Jahren genannt. Und es wird auch nicht das Ende der Fahnenstange sein, denn die wird frühestens dann in Sicht sein, wenn man sich als Spieler einfach nur noch vor sein TV-Gerät setzen muss, und das Spiel erkennt, was man denkt. Wer das für pure Science Fiction hält, kann ja mal nach Emotiv googeln.

Bis dahin bleiben uns allerdings erst einmal drei Bewegungssteuerungen, die alle drei durch aus ihren Reiz haben. Ob es dabei Sony und Microsoft gelingt, sich ein Stück von Nintendos Kuchen abzuschneiden, ist fraglich - zu gut scheint das Feld bereits bestellt. Und wenn man sich überlegt, dass man für den Einführungspreis von kinect schon fast eine Wii, und damit Zugriff auf ein bereits etabliertes Spieleangebot bekommt, ist die Kuchenfrage zumindest für mich immer noch zu Gunsten Nintendos zu beantworten. Doch Konkurrenz belebt ja bekanntlich das Geschäft. A propos Kuchen und Kalorien: Hauptsache, wir gamenden Couchpotatos bleiben in Bewegung, oder?!






© Text: PS.de / MR | © Fotos, sofern nicht anders gekennzeichnet: PS.de

Schlagwörter: Sony Microsoft Wii Nintendo Games Microsofts kinect PlaystationMove




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