
FC Bayern: Jammern verboten
Bayerns Problem mit dem DFB
11.08.2010
Arjen Robben also. Der Holländer von den Bayern wurde von deutschen Sportjournalisten zum besten Spieler der Saison 2009/10 gewählt. Das überrascht nicht, und Louis van Gaal, der Trainer der Münchner, konnte diese Entscheidung auch nicht erzürnen. Schon eher sauer ist van Gaal auf seine Landsleute im WM-Kader der Holländer. Die sollen Robben in Südafrika so kurzsichtig aufgepäppelt haben, dass der Rechtsaußen ab dem Achtelfinale spielen konnte. Dafür bezahlen muss jetzt aber Bayern München - und wie: Robben droht, bis Anfang Oktober auszufallen aufgrund einer nicht auskurierten Muskelverletzung. Blöd für ihn, blöd für die Bayern, und dabei war Louis van Gaal eh schon mindestens auf 180.Sein Grund: Der Test der Nationalelf am 11. August in Kopenhagen. Egal, wie es ausgegangen sein wird, van Gaal ist sauer auf den DFB. Das Spiel käme zur Unzeit, eine vernünftige Vorbereitung mit dem Club (der die Spieler immerhin bezahle) sei dann unmöglich, man stelle keine Spieler ab, und so fort. Nur Mario Gomez und Toni Kross musste van Gaal schließlich an Jogi Löw überstellen, damit war der Niederländer fürs Erste ruhiggestellt. Die Aufregung des "Tulpen-Generals", wie die "Bild"-Zeitung ihn vor Jahresfrist ein wenig ungeschickt taufte (schon mal was von Rinus Michels gehört?), war inhaltlich nachvollziehbar.
Keine Sonderbehandlung bitte
Von den Trainern anderer Vereine jedenfalls, die ebenfalls Spieler abstellen müssen für den DFB, hört man derlei grobe Töne nicht, wenngleich auch für sie der Termin reichlich blöd liegt, drei Tage vor dem DFB-Pokal, also dem ersten Saisonpflichtspiel. Je drei Akteure aus Stuttgart und Bremen, zwei aus Wolfsburg, dazu jeweils einer aus Schalke, Hannover, Hoffenheim und Leverkusen, einer von ManCity, einer aus West Ham, dazu Kroos und Gomez: vor allem die Herren Schaaf (Bremen), Gross (VfB) und McClaren (Wolfsburg) hätten allen Grund, sich ebenfalls lautstark zu beschweren.
Machen sie aber nicht.
Für sie ist der Termin zwar auch unglücklich, inzwischen hat man das beim DFB ja eingeräumt. Doch wissen sie auch, dass ein Entgegenkommen ihrer Vereine gegenüber dem DFB kein Zeichen von Schwäche ist. In Frankfurt dürfte man sich so etwas merken und in Zukunft auch mal ein Auge zudrücken, wenn ein Länderspiel ansteht und die Vereine Probleme mit ihrem Kader haben. Und auch, wenn der folgende Halbsatz bei den Anhängern der Bayern für Protest sorgen wird: Für Bayern München dürfen keine Sonderregelungen gelten.
Nationalspieler auf Biegen und Brechen
Aber warum? Das ist relativ einfach. Vereine wie der VfB Stuttgart und Werder Bremen, aber auch andere, besitzen vorzügliche Jugendabteilungen, die regelmäßig bundesligataugliche Nachwuchsspieler generieren. Nach ein paar Jahren kommen Clubs wie Schalke, Hamburg oder Bayern und kaufen die in ihren Stammvereinen zu Nationalspielern gereiften Profis auf (wie Gomez, Podolski, Jansen, Klose etc.); keine Sorge, das ist das gute Recht der reicheren Clubs und füllt den anderen Vereinen die Kassen. Nur: Wer auf Biegen und Brechen gestandene Nationalspieler verpflichtet, um für die Champions League und die Bundesliga gerüstet zu sein, muss vorher wissen, dass die entsprechenden Spieler vom DFB für Länderspiele angefragt werden.
Das ist sozusagen das Berufsrisiko für gute Fußballspieler und die Vereine, die sie beschäftigen und bezahlen - ja, es ist sogar der ungeschriebene Deal zwischen DFB und DFL. Jammern also strengstens verboten. Zumal wirklich jedes Jahr Mitte August ein Länderspiel stattfindet. Das könnte man in München so langsam wissen.
Dass der FC Bayern eine prima Jugendabteilung besitzt, steht außer Frage. Ob Lahm, Müller, Schweinsteiger, Kroos, Badstuber - es sind dies alles Talente aus der eigenen Familie, sicher. Einige davon sind schon fast Weltstars. Nur sollte man beim FC Bayern bedenken, dass dieser Nimbus meist bei WM-Turnieren entsteht, mithin also in der Nationalelf. Das steigert den Marktwert enorm. Zum Glück haben Kalle Rummenigge und Uli Hoeneß das erkannt. Und ihrem holländischen Trainer nahegelegt, seine Wortwahl gegenüber dem DFB fürderhin etwas besser abzuwägen. Schließlich braucht man sich gegenseitig.
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Schlagwörter: Nationalelf Bayern München Fussball
Comments
Kommentar von Jens | 07.09.2010, 12:04
Zur Ehrenrettung der Bayern: Die Frage ob ein Testspiel der Natio so kurz vor dem Buli-Start unbedingt nötig ist, wird wohl erlaubt sein. Auch wenn sie sich eigentlich jedes Jahr aufs Neue stellt.
Zur Ehrenrettung der Bayern: Die Frage ob ein Testspiel der Natio so kurz vor dem Buli-Start unbedingt nötig ist, wird wohl erlaubt sein. Auch wenn sie sich eigentlich jedes Jahr aufs Neue stellt.
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