
Quo Vadis, gamescom?
Nachgedanken zur gamescom in Köln
27.08.2010
Wer immer wieder dasselbe macht, der wandelt, so sagt man, auf ausgetretenen Pfaden. Das mag sich sicher anfühlen und auch nicht so riskant erscheinen, wie etwas völlig Neues zu wagen. Dennoch, das Gefühl des Schalen, des Altbekannten, des schon einmal dagewesenen ist ständiger Begleiter auf diesem Weg. Im übertragenen Sinne trifft das auch auf die diesjährige Ausgabe der Kölner Spielemesse gamescom zu. Denn das traditionelle Pfund, mit dem Messen jeder Art wuchern können, ist das Neue, das aufregende Unbekannte, das Lust auf mehr machen soll.Ein Blick auf die Neuerungen im Hardwarebereich bringt aber schnell Ernüchterung. Viele der als Novum angepriesenen Technologien wirkten wie schon einmal dagewesen. Kinect beispielsweise, das von Microsoft als Revolution des Spielemarktes vermarktet wird, ist in Wahrheit nichts anderes als eine Kopie der EyeToy genannten Technologie von Sony, die es bereits seit 2003 gibt. Auch damals war es schon möglich, Spiele per Bewegung zu steuern. Auch die neueste Variante von Singstar, Guitar Hero oder Rockband kann schwerlich als neu bezeichnet werden. Man trommelt, zupft oder singt zwar zu neuen Klängen, aber es hat sich eben nichts grundlegendes getan.
The same procedure as every Year
Wer einen Blick auf das restliche Angebot der Aussteller wirft, kann sich vor Fortsetzungen bekannter und vor allem kommerziell erfolgreicher Spieleserien kaum retten. Beispiele gefällig? Crysis 2, Killzone 3, Gothic 4, Gran Tourismo 5 und Call of Duty 7 sind nur einige Vertreter des Serienwahns der der Spielehersteller. Aus deren Sicht gibt es nämlich wenig besseres als eine bereits etablierte Marke. Denn nicht nur der Bauer frisst ungern, was er nicht kennt, auch für Spieler gilt ganz Ähnliches. Die Verkaufszahlen belegen schließlich: Fortsetzungen sind beliebter denn je. Spiele, die schon einmal finanziell einträglich waren, ziehen, wie in der Filmindustrie, zwangsläufig Nachfolger nach sich. Und so gerne man als Spieler ein Wiedersehen mit bekannten Gesichtern feiern möchte - man sollte sich doch überlegen, ob man eine Entwicklung fördern will, an deren Ende eine von einer Handvoll Serien dominierte Spielewelt steht, in der sich Innovationen auf ein kaum spürbares Mindestmaß reduziert haben, weil sie als finanzielles Risiko unrentabel erscheinen.
Schöne neue Spiele-Welt
Zugegeben, ganz so düster schaut es in der Branche noch nicht aus, auch wenn der Trend unverkennbar hin zum Melken der Kunden durch immer neue Fortsetzungen und DLCs steht. Wo es früher beispielsweise ein Map-Pack oder andere Zusatzinhalte zum kostenlosen Download gab, muss dafür jetzt mit harter Münze bezahlt werden, siehe beispielsweise Call of Duty: Modern Warfare 2. Dort wollten die Entwickler für das im Mai diesen Jahres erschienene "Stimulus" genannte Map-Pack 14 EUR für 5 neue Karten haben. Eine ziemliche Frechheit, findet der Autor. Geärgert haben sich viele Besucher auch über die Wartezeiten bei den Spiele-Blockbustern. Es galt ein einfaches Prinzip: Wer nicht am Fachbesuchertag reingekommen ist, hatte verloren. Denn selbst wer zur Öffnung der Messe um 10:00 Uhr anwesend war, konnte sich auf mindestens 2 Stunden Wartezeit einstellen. Teilweise dauerte es zu vorgerückter Stunde sogar doppelt so lange, bis man die großen Titel anzocken konnte.
Denkt doch an die Kinder!
Dabei sind die Aussteller nicht alleine für die Misere verantwortlich, denn die öffentliche Vorführung einiger Spiele ist aufgrund des Jugendschutzgesetzes nicht möglich. Alle Titel, die die USK 18-Freigabe bekamen, durften auch nur volljährigen Besuchern zugänglich gemacht werden, was die Hersteller zum Einrichten von Vorführräumen gezwungen hat. Vor denen wiederum fand besagte Schlangenbildung statt. Auf der E3, dem amerikanischen Gegenstück der gamescom, hat man dieses Problem nicht. Von riesigen Bühnen werden Trailer gezeigt und an offenen Ständen kann munter gedaddelt werden. Natürlich muss auch dort bei großem Andrang gewartet werden, aber Wartezeiten von 4 Stunden hat es dort noch nie gegeben. Warum der Veranstalter der gamescom nicht alle USK 18-Titel in einer der 8 Messehallen zusammengefasst hat, ist ein Rätsel. Einmal Bändchen vorzeigen am Halleneingang und keine Gequetsche in winzige Vorführräume, kein ewiges Schlangestehen zum Probespielen, keine Alterskontrollen an jedem Stand. So hätte man durch ein wenig Organisation ganz einfach Herr des Problems werden können.
Keine Schwarzmalerei
Auf so viel Kritik muss allerdings auch Lob folgen: Fortsetzungsorgie hin oder her, die auf der Messe vorgestellten Spiele machten trotz (oder gerade wegen?) fehlender Innovationen qualitativ durchgehend einen guten Eindruck. Wem es also nichts ausgemacht hat, auch einmal länger zu warten, und wer sich außerdem auf die Fortsetzung seiner Lieblingsspieleserie gefreut hat, der war auf der diesjährigen gamescom sicher gut bedient. Alle anderen hoffen nächstes Jahr auf mehr Wagemut für neue Ideen seitens der Spielehersteller und kürzere Wartezeiten bedingt durch eine bessere Organisation seitens der gamescom.
© Text: PS.de / RT | © Fotos, sofern nicht anders gekennzeichnet: PS.de
Schlagwörter: gamescom Köln Messe Videospiele Computerspiele Games
Comments
Kommentar von Marcel | 29.08.2010, 11:31
AMEN!
AMEN!
Kommentar von Jonas | 01.09.2010, 12:03
Stellt sich mir allerdings die Frage, ob wirklich die meisten Gamer auf mehr Neuerungen auf der nächsten Messe hoffen. Denn, wie auch im Artikel erwähnt, sind doch die Fortsetzungen sehr erfolgreich, es scheint also so, als seien viele Leute zufrieden mit der jetzigen Situation, und vielleicht gar nicht so sehr auf was Neues aus.
Stellt sich mir allerdings die Frage, ob wirklich die meisten Gamer auf mehr Neuerungen auf der nächsten Messe hoffen. Denn, wie auch im Artikel erwähnt, sind doch die Fortsetzungen sehr erfolgreich, es scheint also so, als seien viele Leute zufrieden mit der jetzigen Situation, und vielleicht gar nicht so sehr auf was Neues aus.
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