
Schauspieler und Künstlernamen
Warum Marion Michael Morrison den "Längsten Tag" erlebt
23.08.2010
"Name ist Schall und Rauch" ließ schon Goethe seinen Faust zum geliebten Gretchen sagen. Zahlreiche Künstlernamen aktueller und früherer Schauspieler lassen darauf schließen, dass sich diese Aussage auch auf deren Leben anwenden lässt. Stellt sich allerdings die Frage, was diese Menschen zu dem vielfach betriebenen Nämchen-Wechsel-Dich treibt.Allein die Unwichtigkeit des Namens, wie von Goethes Helden propagiert, kann es wohl nicht sein, denn immerhin lässt sich in vielen Fällen noch eine enge Bindung zum wirklichen Namen erkennen. Der Wunsch diesen vollständig hinter sich zu lassen, kann also in der Mehrzahl der Fälle nicht der ausschlaggebende Grund sein.
Aus Marion wird John
Bestimmend scheint in vielen Fällen das Streben nach einer internationalen Karriere zu sein. Der Name muss also gängigen, meist englischen, Sprach-Standards angepasst werden, er sollte aussprechbar und einprägsam sein. So etwa im Fall des im Titel erwähnten Marion Michael Morrison, der unter diesem langen und zudem ungewöhnlichen Namen vielleicht nicht die beeindruckende Hollywood-Karriere gemacht hätte, die ihm unter seinem Künstlernamen möglich war. Erleichternd kam für den Schauspieler hinzu, dass ein Namenswechsel für ihn zu diesem Zeitpunkt schon kein unbekanntes Terrain mehr war. Den ersten musste er nämlich schon im Alter von fünf Jahren über sich ergehen lassen. Geboren wurde er als Marion Richard Morrison. 1911 kam allerdings sein jüngerer Bruder zur Welt und die Eltern auf die glorreiche Idee, auch ihren zweiten Spross auf den Namen Richard zu taufen. Um Verwechslungen aus dem Wege zu gehen, wurde der älteste Filius einfach in Marion Michael umbenannt. Zu Beginn seiner Hollywood-Karriere entschied sich dieser dann zur vollständigen Abkehr von seinem Geburtsnamen. Statt des doch eher weiblich anmutenden Marion wählte er nun den für einen Westenhelden doch wesentlich klangvolleren Namen John Wayne.
Danielowitsch ist nicht so klangvoll
Ähnliche Gründe dürften wohl auch Issur Danielowitsch und Michael Issurowitsch Demsky zum Namenswechsel bewogen haben. Die Hollywood-Karriere dürfte unter den leichter auszusprechenden Namen Kirk und Michael Douglas wohl um einiges leichter gefallen sein. Und auch Margaret Mary Emily Anne Hyra dürfte zumindest den Nachnamen betreffend Bedenken bezüglich der Aussprache gehabt haben. Also wurde Hyra zu Ryan und aus Margaret Mary Emily Anne entstand die Kurzform Meg. Vivien Mary Holman, geborene Hartley, erhielt sogar von ihrem Agenten den deutlichen Hinweis, dass die Chancen auf eine Schauspielkarriere mit dem aktuellen Nachnamen eher dürftig seien. Als Ersatz wählte sie einen Vornamen ihres Ehemannes, Vincent Leigh Holman und nannte sich von nun an Vivien Leigh.
Nicht nur die bessere Ästhetik, sondern schlichte Notwendigkeit war es, die den heute als Michael Keaton bekannten Mimen zur Annahme dieses Namens veranlasste. Geboren wurde er nämlich als Michael John Douglas. Bei Beginn seiner Schauspiel-Karriere sah er sich nun vor das Problem gestellt, dass der Name Michael Douglas in der Screen Actors Guild schon besetzt war - eben durch den oben erwähnten Michael Issurowitsch Demsky. Der echte Michael Douglas machte aus der Not eine Tugend und ergriff die Möglichkeit, der von ihm verehrten Schauspielerin Diane Keaton auf besondere Art und Weise zu huldigen, indem er ihren Nachnamen zu seinem Künstlernamen erkor.
Walter Foghorn Matuschanskayasky
Bei Walter Matthau scheint es dagegen vor allem der Spaß am verwirrenden Namensspiel gewesen zu sein, der ihn zur Verwendung eines Künstlernamens trieb. Statt aber wie seine oben erwähnten Kollegen einfach unter einem anderen als dem Geburtsnamen bekannt zu werden, behielt er letzteren zwar bei, setzte aber das Gerücht in die Welt, er habe nicht als Walter Matthau das Licht der Welt erblickt, sondern als Walter Matuschanskayasky. Wahr an dieser Geschichte ist allerdings nur, dass sein ursprünglicher Name tatsächlich nicht Matthau lautete, sondern Matthow. Oft dichtete er sich auch noch einen zweiten Vornamen an, so dass es leichtgläubige Zuhörer auf einmal mit Walter Foghorn Matuschanskayasky zu tun hatten, der als Krönung auch gerne mal behauptete, er stehe in der Erbfolge des britischen Throns.
Als Grund für den Wechsel zum für amerikanische Zungen doch viel leichter zu bewältigende Matthau gab er nicht seine Karriere, sondern eine angebliche Spionagetätigkeit seines Vaters an. Matthau trieb seine Namensspielchen so weit, dass der Zungenbrecher Matuschanskayasky sogar im Abspann des Films "Earthquake" auftauchte. Er spielte hier den betrunkenen Besucher einer Bar, was eigentlich nur ein Kurzauftritt sein sollte. Nach dem Schnitt ergab sich jedoch das Problem, dass die Figur inzwischen doch eher zur Nebenrolle geworden war, und der darstellende Schauspieler dementsprechend im Abspann auftauchen würde. Da dies aber nie dessen Absicht war, erwähnt der Abspann eben nicht Walter Matthau, sondern Walter Matuschanskayasky.
Wer nun allerdings glaubt, das Annehmen eines "falschen" Namens sei ein rein amerikanisches Phänomen, der irrt. Eines der prominentesten Beispiele im Bereich des deutschen Schauspiels ist mit Sicherheit Bernhard Victor Christoph-Carl von Bülow, besser bekannt unter dem französischen Namen des Wappenvogels der Familie: Loriot. Weniger rabiat ging dagegen Franz Theodor Schmitz mit seinem Namen um. Er blieb zumindest seinem zweiten Vornamen treu. Da aber der Name Theodor Schmitz in Deutschland nicht gerade selten war und somit nicht als besonders originell gelten konnte, beschloss er, der Heimatstadt seines Vaters, Lingen im Emsland, ein namentliches Denkmal zu setzen und trat fortan als Theo Lingen in über 200 Filmen auf, wobei er seinem Publikum vor allem als näselnder Direktor des Baden-Badener Mommsen-Gymnasiums in Erinnerung blieb.
© Text: PS.de / US | © Fotos, sofern nicht anders gekennzeichnet: PS.de
Schlagwörter: Künstlernamen Hollywood Schauspieler
Comments
Kommentar von Wurstmensch | 27.08.2010, 11:39
Wer hätte gedacht, dass so viele Künstler so lange Namen haben? Schöner Artikel!
Wer hätte gedacht, dass so viele Künstler so lange Namen haben? Schöner Artikel!
Kommentar von Martinitus | 27.08.2010, 14:17
Da sieht man mal wieder, dass manche Promis ihre Kinder mit krassen Namen belasten. Man sollte schon zusehen, dass die einzelnen Namen im "ganzen Namen" passen sollten.
Da sieht man mal wieder, dass manche Promis ihre Kinder mit krassen Namen belasten. Man sollte schon zusehen, dass die einzelnen Namen im "ganzen Namen" passen sollten.
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