Sports Geist - Es ist angestoßen

Wohin führt die kommende Saison?




30.08.2010

So, ich habe mich Kolumnen technisch ein wenig zurückgehalten, und mir meine nächste, nämliche diese, Ausgabe des Sports Geist für den Start der Bundesliga aufgespart. Dabei hätte es zwischenzeitlich sicher die ein oder andere Gelegenheit gegeben, sich mit den ersten Wehen der Liga auseinanderzusetzen. Etwa die Nachwirkungen der Affäre "käufliche Liebe" Franck Riberys, Schalkes Transferdeal um Rául, die spektakuläre Rückkehr Diegos in die Bundesliga in Wolfsburg, und und und. Da allerdings nichts so beständig ist wie der Wandel vor Beginn einer Fußballsaison, ist es eigentlich sogar jetzt, nach Abschluss des zweiten Spieltages, noch zu früh - doch irgendwann muss man ja mal anfangen...



Der Branchenprimus


Schaun mer mal, nämlich in die Landeshauptstadt Bayern zum Abonnement-Meister aus München. Doublegewinn, Champions League-Finalteilnehmer, dazu eine fast unveränderte Mannschaft mit denen einigen bei der WM weiter gereiften Spielern. Man könnte (wieder einmal) Angst vor den übermächtigen Bayern haben. Wenn, ja wenn nicht der 1. FC Kaiserslautern an eben diesem zweiten Spieltag aufgezeigt hätte, dass die Bayern dann doch nicht unschlagbar sind. Trotzdem darf man davon ausgehen, dass, sollte das Thema "FC Hollywood" diese Saison eben kein Thema werden, es schwer wird an dieser Mannschaft vorbei zu kommen. Tendenz: Meister und mehr.

Der Vizemeister


Gut, ich gebe direkt zu, es fällt mir, da es sich um meinen Stammverein handelt, schwer, den klassischen Fehlstart der Schalker Knappen zu kommentieren. Nicht schwer fällt mir allerdings die Erkenntnis, dass Felix Magath offensichtlich einen groben Fehler machte, als er das Herzstück der Gelsenkirchener, nämlich die Abwehr, komplett austauschte und heute, zumindest in den ersten Spielen, mit einem Hühnerhaufen zurecht kommen muss. Natürlich ist Rául ein großer Name, und es fühlt sich fast so an, wie damals Esa Tikkanen (rechte Hand Wayne Gretzkys) am Westbahnhof in Essen Eishockey spielen zu sehen ? nämlich eigentlich unfassbar - doch wenn es hinten regelmäßig 2-4 mal klingelt, muss der Spanier vorne im Schnitt 3-5 Tore pro Partie markieren. Tendenz: Absolute Wundertüte.

An der Weser


Werder-Fans brauchen ein gutes Nervenkostüm. Zumindest zeigten die Bremer schon im Angang zu dieser Spielzeit, dass langweilig keine Option ist. Kein Wunder, dass Trainer Schaaf nach dem Krimi gegen Genua sich mal wieder ein langweiliges Spiel wünschte. Trotzdem scheint Werder dieses Jahr, und auch trotz des Abgangs Mesüt Özils, 2010/11 zu Höherem berufen. Tendenz: Erste Drei.

Die Werkself


Der Capitano ist zurück unter dem Bayerkreuz. Doch ob Michael Ballack jemals wieder Kapitän der Nationalelf wird, scheint derzeit zumindest fraglich. Königsmörder Jogi Löw scheute schon in der Vergangenheit nicht vor der Absetzung gestandener Größen in seinem Kader. Doch sollte Leverkusen in diesem Jahr unter Trainer Heynckes eine beständig gute Leistung abliefern, wird es vielleicht doch noch was. Tendenz: Europaliga-Qualifikation.

Die Unaussprechlichen


Nein, ich fange jetzt nicht mit Lüdenscheid-Nord oder ähnlichem an. Zu sehr ist aus der einstigen Geldvernichtungsmaschine wieder ein respektabler Klub (mit dem schönsten Stadion Europas) geworden - nicht zuletzt auch Dank der Verpflichtung Jürgen Klopps, der schon im letzten Jahr gezeigt hat, dass er eigentlich nur geboren wurde, um hier Trainer zu werden. Tendenz: Schnuppert am CL-Qualiplatz.

Sparsame Schwaben


Was macht man mit einem wechselwilligen Spieler mit Starpotenzial, dessen Vertrag nur noch ein Jahr läuft. Richtig, man lässt ihn zwar unwillig ziehen, tröstet sich dann aber mit der fälligen und gefälligen Ablösesumme. So geschehen in Stuttgart mit Sami Khedira. Und investiert diese wieder punktuell, und typisch schwäbisch, in wohldosierten Ausbau des Kaders. Tendenz: Etwas farblos, Mittelfeld.

Hurra-Hanseaten


Nirgendwo schwingt das Pendel schneller zwischen den Zuständen "himmelhoch jauchzend" und "zu Tode betrübt" wie in Hamburg beim HSV. Und kein Verein scheint Trainer so schnell zu verschleißen, wie die Norddeutschen. Ob Armin Veh nun der richtige Mann zur richtigen Zeit ist? Denn Potenzial ist nicht erst seit dieser Saison mehr als genug da. Fazit: Kehrt Ruhe ein, geht es (weit) nach oben.

Stadt der Autos


Wolfsburg, ja Wolfsburg. Vorletztes Jahr noch Deutscher Meister, und kaum einer hat es wahrgenommen. Letzte Saison Abstieg in die Niemandszone der Liga. Und diese Saison? Neuer Trainer; Diego Superstar als Regisseur. Geht da was? Diego verspricht ein Jahr der Siege. Trotzdem die Tendenz: Graue Fußballmaus.

Wie es singt und lacht


das Mainz vergangener und auch dieser Tage. Letztes Jahr als Aufsteiger mit gerade mal 36 geschossenen Toren auf Platz neun gelandet und Überraschungsmannschaft des Jahres geworden. Und auch jetzt am zweiten Spieltag ein Paukenschlag: 4:3 Sieg gegen Wolfsburg nach 0:3-Rückstand. Erlebt man statistisch im Profifußall nur alle 26,83 Jahre. Tendenz: Einstelliger Tabellenplatz ist wiederholbar.

Rest der Liga


Mit Frankfurt, Hoffenheim, Gladbach, Köln, Freiburg, Hannover und den Neulingen, Lautern und Pauli wird der bunte Ligareigen abgerundet. Schwer zu sagen, was aus diesem Gemenge später, gegen Ende der Saison Zählbares übrig bleibt. Wäre die Tabelle nach dem zweiten Spieltag der Endstand, Hoffenheim und Lautern würden uns in der Champions League vertreten, Mainz würde darum kämpfen die drei zu ergänzen, und Hamburg und Hannover gingen in der Europaliga auf Rundreise. Der VfB Stuttgart würde in der Relegation beweisen müssen, dass er Frankfurt und Köln nicht in Liga zwo folgen müsste. Ein gewöhnungsbedürftiges Bild. Doch eines ist sicher: So wird es nicht kommen, und ich werde am Ende wieder mit 50% meiner Einschätzungen daneben liegen. Wie immer könnte ich also auch einen blinden Affen meine Prognose schreiben lassen. Aber ich muss zugeben, das macht weit weniger Spaß und vor allem hätte der bestimmt auch den bösen Stadtnamen mit D am Anfang geschrieben ;-)



Insofern: Erstmal Transferschluss abwarten, dann kommt die Länderspielpause, und dann lesen wir uns irgendwann in dieser Sache wieder. Versprochen - oder auch angedroht. Ganz wie Sie es halten.

Autoreninfo Marcel Ringhoff
Marcel Ringhoff, 35, mag seit frühester Kindheit jede Art von Sport. Aufgewachsen in der zweiten und dritten Fußballliga mit Rot Weiß Oberhausen im Niederrheinstadion und am Rechenacker, und unter einem ehemaligen Olympiateilnehmer als Realschul-Sportlehrer, gibt es keine Sportart die er nicht kennt, oder zu der er keine Meinung hätte.
Im wahren Leben eigentlich Fotograf und Autor für Fachpublikationen abseits von Leibesübungen, findet der gerade etwas mopsige Sportskamerad nicht nur auf dem Trimmrad im Fitnesscenter, sondern vor allem an der spitzen Feder immer wieder zurück in die ertüchtigende Spur.





© Text: PS.de / MR | © Fotos, sofern nicht anders gekennzeichnet: PS.de

Schlagwörter: Fussball Kolumne Bundesliga Sports Geist Marcel Ringhoff




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Comments

Kommentar von NickNackMan | 30.08.2010, 14:38

Ich leide mit und trauere unserem einstigen Glanzstück, der Abwehr, ebenso hinterher wie Du. Ich hoffe bis morgen Abend können wir Metzelder noch gegen einen richtigen Abwehrspieler eintauschen.
Glückauf!
Kommentar von Pua | 31.08.2010, 10:20

Eigentlich müsste nach dem zweiten Spieltag Frankfurt in der Relegation beweisen, daß sie nicht Köln und Stuttgart in die zweite Liga folgen ...

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