Wer lügt, dem glaubt man doch

Schummeln in Partnerbörsen scheint zum guten Ton zu gehören




03.08.2010

Das Problem ist so alt wie die Menschheit. Oder wie die Sprache, was allerdings, Pi mal Daumen, aufs Gleiche hinausläuft. Bereits unsere Vorfahren, die zuerst in der Savanne, später in Höhlen, dann in Lehmhütten und schließlich in steinernen Häusern wohnten, bedienten sich eines einfachen Tricks, um das attraktivste weibliche Mitglied der Sippe - also das, das am gesundesten war und somit eine zahlreiche Kinderschar zumindest versprach großzuziehen - abzuschleppen. Der Trick ist nicht besonders perfide, aber so what, wir sind Männer und müssen uns den Vorwurf, nicht sensibel genug, nicht ausreichend fingerspitzenfühlend, zu grob und nicht feingliedrig genug zu sein, so oder so anhören. Der Trick besteht: aus Lügen.



Wo der Höhlenmann seine Wohnstatt noch mit handgemalten Bildern üppiger Jagderfolge zierte, um die Angebetete bei Regenwasser und Mammutkuchen mit seiner Männlichkeit zu becircen, rundet der Homo sapiens digitalis, sofern er seinem zukünftigen Weibchen in elektronischen Partnerbörsen nachstellt, seine Basisdaten großzügig auf. Diese Basisdaten geben Auskunft zur Körpergröße und zum Einkommensniveau, nachgeprüft werden kann das sowieso nicht, höchstens enttarnt, wenn aus dem virtuellen Kontakt ein realer wird. Also schwindelt sich Otto Durschnitt, wenn er sein Profil erstellt, ein paar Zentimeter größer und ein paar Monatshunderter wohlhabender und - Schwupps - lockt er schon mehr Interessentinnen auf seine Seite. Die Grundbedingung, um später, um im Bild des Mannes aus der Höhle bleiben, sein Erbgut platzieren zu können, auf dass es die Familienlinie fortführe.

Attraktive Fotos? Oft nicht mehr die frischesten


So weit, so verlogen. Nicht, dass wir nun behaupten würden, von diesen Gepflogenheiten noch nie gehört oder selbst noch nie, niemals!, von ihnen ein klitzekleines Bisschen Gebrauch gemacht zu haben. Vieles von dem, was wir in einem ersten Date über uns erzählen, ist Psychologen zufolge prahlerisch und over the top, auch wenn es uns nicht so vorkommt. Findet uns die Dame gegenüber trotzdem gut, wird sie bereit sein, die Angeberei zu ignorieren. Oder, andernfalls, sie zu dekuvrieren, wenn sie merkt, dass da geflunkert wird und ihr das nicht so gefällt.

In der "Anonymität des Internet", trotz seiner Richtigkeit können wir den Ausdruck nicht mehr hören, im Internet also zittert die Stimme nicht, wenn das Männchen kühne Geschichten von sich gibt, es läuft keiner rot an oder bekommt schwitzende Hände. Da lassen sich prima Fotos von sich selbst einstellen, die die Realität zeigen, wie sie vor Jahren mal war. Da wird sich interessant gemacht, was das Zeug hält, und sich bis zur Behauptung verstiegen, man habe bisexuelle Erfahrungen oder Neigungen, um auf Frauen "abenteuerlustiger zu wirken", wie es bei der Online-Datingagentur OKCupid heißt, die den Angaben ihrer anderthalb Millionen Nutzer mal ein wenig auf die Zähne gefühlt und herausgefunden hat, dass geschummelt wird, was das Zeug hält. So sind die User von OKCupid und somit wahrscheinlich auch anderer Portale im Schnitt fünf Zentimeter größer und 20 Prozent reicher als der Rest der flirtenden Welt. Wer will da noch an Zufall glauben.

Wie die Heilige Maria


Eigentlich könnte man das bis hierher Erzählte als irgendwie nette kleine Geschichte so stehen lassen, zu der jeder sagen würde: "Hab' ich mir doch gedacht!" Niemandem würde man damit wehtun oder schaden, und wer sich ertappt fühlt, der kann seine Größe nach unten korrigieren oder noch dickere Schummeleien auftragen, uns ist das doch egal. Er könnte sein Einkommen noch näher an das eines LeBron James oder Bill Gates heranschummeln und auch gern behaupten, bisher nur gaaaaaaaaanz, ganz wenige Sexpartner in seinem Leben gehabt zu haben, unseretwegen könnte er der größte Frauenheld seit Giacomo Casanova sein und im Internet behaupten, jungfräulich zu sein wie die Heilige Maria. Uns tät's nicht stören. Weil aber manche Geschichten einfach eine Pointe haben, die sie zu noch runderen Geschichten machen, fügen wir an DIESE Geschichte hier nur noch diese zwei Sätze an:

Frauen verhalten sich in virtuellen Partnerbörsen keinen Deut anders. Man hat's gleichzeitig mit den Männern herausgefunden.






© Text: PS.de / HK | © Fotos, sofern nicht anders gekennzeichnet: PS.de

Schlagwörter: Internet Netzwelt Online-Dating Partnerbörsen




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Comments

Kommentar von björn | 05.08.2010, 12:55

ist schon ganz praktisch, dass man im netz ein bisschen schummeln kann. peinlich nur, wenns dann beim ersten treffen auffliegt. also, man sollte schon ein bisschen aufpassen, dass man nicht zu sehr übertreibt, sonst geht der schuss schnell nach hinten los.

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