© Screenshot Wikileaks.de

Wikileaks: Zahlen bitte
Skeptiker und Kritiker wollen, dass Wikileaks seine Geldtransfers erklärt
24.08.2010
Es war eines der ersten Male, dass die westliche Welt davon hörte: Wikileaks Im Jahr 2009 machten Gerüchte die Runde, es gebe da ein Video von zwei US-Soldaten im Irak, das sich im Besitz von Wikileaks befände. Zu sehen sind die beiden Männer dabei, wie sie, in einem Kampfhubschrauber sitzend, irakische Kinder, Frauen und Männer, ganze Familien, erschießen, gerade so, als mache es ihnen Spaß. Überflüssig zu erwähnen, dass die Getöteten alles Zivilisten waren, deren Ermordung von den Schützen zynisch kommentiert wurde: "Hast du gesehen, wie sie umgefallen sind?" Solche und andere schlimme Dinge rufen sich die beiden Amerikaner immer wieder zu.Für Wikileaks war es in zweierlei Hinsicht eine extrem wichtige Veröffentlichung. Denn zum einen war es der erste große Scoop, den die Betreiber um Julian Assange verbuchen konnten - der erste "Kracher" aus journalistischer Sicht, der ihnen zugespielt wurde von Quellen aus dem Irak. Assange war schnell klar: Das könnte der Durchbruch werden, denn - und das ist der zweite wichtige Punkt - spendenfinanzierte Projekte wie Wikileaks benötigen Öffentlichkeit, und Öffentlichkeit stellt man meist her mit Aufsehen erregenden Dingen jedweder Natur. Assange wusste, dass ihm und seinem Projekt, wie man Wikileaks vermutlich noch am besten umschreibt, mit der Veröffentlichung der beiden zynischen Armeeangehörigen in ihrem Hubschrauber beim Töten ein Durchbruch werden würde.
Die Fragen nach dem Geld
Am Ostermontag 2009 hatten Assange und seine zu dieser Zeit hauptsächlich in Island stationierten Mit-Aktivisten das Video der Weltöffentlichkeit zugänglich gemacht, nur zwei Tage danach ließen Wikileaks-Leute über Twitter verlautbaren, dass innerhalb dieser 48 Stunden 150.000 Spenden-Dollar eingegangen waren. 460.000 Euro benötigt das Projekt den eigenen Angaben zufolge jährlich, um die fünf hauptamtlich Beschäftigten und bis zu 900 Informanten und Projekthelfer bezahlen zu können. Erfolg allerdings wirft Fragen auf, und die Konkurrenz fragt angesichts der inzwischen florierenden Spendenwirtschaft dann eben auch nach, wo denn das Geld von Wikileaks sei so etwa ein Eintrag bei cryptome.org, eine Seite, die sich als direkter Wettbewerber zu Assange und Konsorten sieht. "Was uns beunruhigt ist, dass der Empfang von Spenden immer undurchsichtiger wird." Nur der Chef selbst könne über die Mittel der Organisation verfügen, schrieb der anonyme Mitteiler weiter, der sich selbst als einen "Insider" bezeichnete.
Um der Frage, wo die Wikileaks-Gelder sind, auf den Grund zu gehen, haben sich viele bei Hendrik Fulda umgehört. Fulda ist Vizevorsitzender der Wau-Holland-Stiftung, die sich für Informationsfreiheit stark macht und die offiziell die eingehenden Spenden für Wikileaks entgegennimmt. Die Mitarbeiter Assanges reichen ihre Belege bei Fuldas Stiftung ein, um ihre Auslagen zurückzuerhalten. Assange selbst lebt zwar aus dem Koffer und taucht ständig bei Freunden in aller Welt auf und unter, doch so langsam könnte sich der 39-jährige Australier ein schönes Häuschen leisten. Seit Oktober 2009 für die Wau-Holland-Stiftung das Konto, 700.000 Euro an Spenden sind bis Anfang August dort eingegangen.
Der Army wird das nicht gefallen
Als Wikileaks Ende Juli die Afghanistan-Berichte, die die Organisation zugespielt bekam, zeitgleich im "Spiegel", in der "New York Times" und im "Guardian" veröffentlichte - ein unglaublicher Bericht über die Kriegsgeschehnisse im so genannten Anti-Terror-Krieg -, flossen innerhalb weniger Tage 20.000 Euro an Spenden. Doch erst, wenn Fulda Ende August alle Stiftungsausgaben publizieren wird, werden die Kritiker schweigen oder eben auch nicht, wie Daniel Schmitt befürchtet.
Schmitt, neben Assange selbst die einzig öffentliche Person in Wikileaks Fünfertruppe, sagt: "Der Vorwurf, dass Julian als einziger Zugang zu unseren Finanzen habe, ist nicht nur kompletter Unsinn". Vielmehr erinnere er ihn sogar an den Inhalt eines "Strategie-Papiers der US-Armee". Laut Schmitt handelt es sich allerdings um ein Strategie-Papier, das Wikileaks selbst veröffentlicht hat. Der US-Army dürfte auch diese Veröffentlichung nicht besonders gefallen haben.
© Text: PS.de / HK | © Fotos, sofern nicht anders gekennzeichnet: PS.de
Schlagwörter: Wikileaks Spenden Internet Twitter
Comments
Kommentar von Manuel | 30.08.2010, 15:59
Das Video habe ich auch gesehen und eins, wo ein Busfahrer erschossen wurde, der mit erhobenen Armen aus dem Bus zu einem Getöteten rannte, um ihn zu helfen. Allein das ist schon schrecklich genug, aber sollen die Betroffenen von der westlichen Welt denken, dass man mit Geld alles gut machen könne.
Das Video habe ich auch gesehen und eins, wo ein Busfahrer erschossen wurde, der mit erhobenen Armen aus dem Bus zu einem Getöteten rannte, um ihn zu helfen. Allein das ist schon schrecklich genug, aber sollen die Betroffenen von der westlichen Welt denken, dass man mit Geld alles gut machen könne.
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